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3e - Pepi Taschner und die Kultur der Ganoven

Mein Kontakt zu Pepi Taschner

Die Gespräche mit Pepi Taschner

Buchpräsentation am Spittelberg

Pepi wuchs in den Straßen und Parks in Wien auf – sein Weg in die Kriminalität

Pepi Taschner und der Taschendieb – die  Information an der Tür

Der Sozialarbeiter Kurt Grois machte sich Gedanken zu dem Buch

Die Buchbesprechung des großen Soziologen und Kulturanthropologen René König

Aus: Roland Girtler, „10 Gebote der Feldforschung“  (Lit-Verlag)

 

Das Abenteuerliche und Spannende der Feldforschung ist, dass der Forscher sich an keine methodischen Diktate gebunden sieht. Die klassische Methode ist , wie ich betonen will, die teilnehmende Beobachtung. Aber vielleicht noch wichtiger als die «teilnehmende Beobachtung» für die Forschung sind freie und inhaltschwere Gespräche mit Personen aus der zu erforschenden Kultur (oder Randkultur).

Für ein Gespräch dieser Art habe ich den Ausdruck „ero-episches Gespräch“ erfunden. Bei diesem geht  es um Erzählungen und Geschichten.

Begriffe wie "narratives Interview" und "Tiefeninterview" sind höchst fragwürdig .

Sie erscheinen mir als  denkbar ungeeignet , um ein Gespräch als  Forschender , wie ich ihn verstehe,  zu bezeichnen.  Schließlich entstammt der Terminus  "Interview"  der  Journalistensprache , wie sie sich ab 1860 in  den USA etabliert hat, er bezieht  sich hauptsächlich auf die schnelle Befragung von  Politikern ,  Künstlern und anderen wichtigen und weniger wichtigen Leuten  ( vgl. Kluge,1960,S 32).

Das "Interview" in seinem ursprünglichen Sinn zielt also bloß darauf ab, zu schnellen, mehr oder weniger klaren und oft kurzen (!)  Antworten zu gelangen.

Für die übliche Arbeit der Zeitungsleute, aber auch für die Tätigkeit  von manchen Soziologen, die mit Fragebögen sich an  Menschen  heranpirschen, paßt das Wort "Interview",  denn man will  einfache und schnell verwertbare Erkenntnisse,  wie zum Beispiel , dass bestimmte Leute gerne zur Kirche  gehen und fromme Werke verrichten.

Eine genaue Einsicht in tiefere soziale und kulturelle  Zusammenhänge, zum Beispiel in die Kultur der Kirchenbesucher,  wird dabei nicht beabsichtigt    oder sie ist auch gar nicht  möglich.

Und außerdem verbindet man mit dem "Interview" eine Situation,  bei der der Fragende   als Journalist oder Fragenbogensoziologe  einen gewissen Druck auf den zu Befragenden ausübt und letzterer  geduldig auf die Fragen wartet.

Eigentümlich ist der heute in der Soziologie übliche Begriff „narratives Interview“, ihm liegt sogar eine gewisse Unlogik zu Grunde, denn der Begriff "Interview" im klassischen Sinn steht in Widerspruch zum Begriff  "narrare" (lat. erzählen),  da der echte Interviewte zum wirklichen Erzählen gar nicht kommt, sondern bloß auf Fragen antwortet.

Das große Problem des „narrativen Interviews“, wie es von manchen Spezialisten vertreten wird, liegt vor allem darin , dass bei diesem mit der ersten Frage der zu Interviewende unter "Zugzwang" kommen soll. Es wird also ein Druck auf den so geplagten Menschen ausgeübt. Und außerdem solle man nicht in die „private Sphäre“ eindringen. Ich bin da anderer Meinung , denn bei Forschungen jeder Art, nicht nur bei solchen in Randkulturen, lässt sich die „private Sphäre“ nicht ausschließen (es gebe dazu noch mehr zu sagen - siehe dazu Girtler , Methoden der Feldforschung, UTB, 2001, S 147ff).

Charakteristisch für das „ero-epische Gespräch, wie ich es verstehe, ist  daß der Forscher sich selbst einbringt und nicht bloß durch Fragen den Gesprächspartner in "Zugzwang" bringt.  Das ero-epische Gespräch ist somit ein eher feinfühliges und nicht so leicht durchführbares Unternehmen, denn es gehören viel Gefühl und Geduld zu diesem.

Die Fragen in einem "ero-epischen Gespräch"  ergeben sich aus dem Gespräch und der jeweiligen Situation, sie werden nicht von vorneherein festgelegt, wie eben bei den Fragebogenuntersuchungen und beim sogenannten "narrativen Interview". Der Feldforscher weiß ja am Beginn seines Forschens noch gar nicht,  wie die betreffende Welt genau aussieht, über die er etwas erfahren will. Er muß sich erst an diese herantasten, aber dies geschieht eben nicht durch plumpe Eingangsfragen, sondern eben im Gespräch. Es entspricht der  Bescheidenheit des wahren Feldforschers, dass er von seinem  Gesprächspartner sich leiten lässt, denn er selbst ist ein Lernender.  Und ich habe tatsächlich viel „gelernt“ von Vagabunden, Pfarrerköchinnen,  Wilderern, Dirnen, Bauern und anderen Leuten, die so für mich zu Lehrmeistern und Lehrmeisterinnen wurden, und sich auch selbst als solche sahen.

Ich bin überzeugt, dass sich die Menschen, mit denen ich sprach, auch gefreut haben, mich in ihre Welten „lehrend“ einzuführen.  Manche, wie meinen Freund der Ganove Pepi Taschner, nahm ich sogar in Vorlesungen mit, bei denen er den staunenden Studenten aus seinem Leben als Mitglied einer Glücksspiel-Bande erzählte. Sogar eine Wiener Zeitung schrieb begeistert darüber. Auch vom Aussehen war Pepi Taschner trotz seiner vielen Vorstrafen ein nobler Bursche. Er liebte gute Anzüge und Krawatten, die er von Freunden , als man ihn aus der Unterwelt entfernt hatte, regelmäßig geschenkt bekam. Arbeit als solche lehnte er ab.

Als wir  um 1983 unser Buch „Der Adler und die drei Punkte“ im Gastgarten eines Gasthauses im 7. Wiener Gemeindebezirk präsentierten, waren viele Leute gekommen : Professoren, Leute aus der Justiz und hochkarätige Ganoven, unter ihnen der damals sehr berühmte Alois Schmutzer, der angeblich unschuldig jahrelang im Gefägnis saß. Seine Glücksspiel-Bande ließ ihn während dieser Zeit nicht im Stich und überwies ihm regelmäßig Geld auf sein Konto. Mit diesem Geld kaufte er nach seiner Haftentlassung einige Wiesen, auf denen er Hühner, die vorher in Legebatterien ein jämmerliches Dasein fristen mußten, aus Mitgefühl frei herum laufen ließ. Über diese Buchpräsentation schrieb eine renommierte Zeitung, dass einige, die mich und Pepi Taschner vorher nicht gekannt hatten, am Beginn der Buchpräsentation geglaubt haben, Pepi Taschner sei der Professor und ich der Ganove.

Ich will damit ausdrücken, dass auch Ganoven zu „Professoren“ werden können, wenn sie aus ihrer Welt gut zu erzählen vermögen.

Beim ero-epischen  Gespräch sind beide, Forscher und Gesprächspartner, möglichst gleichgestellt.  Im Eigenschaftswort "ero-episch" stecken die altgriechischen Wörter "Erotema" und "Epos". "Erotema" heißt die "Frage" beziehungsweise "eromai" fragen, befragen und nachforschen. Und "Epos" bedeutet  "Erzählung". "Nachricht" ,  ",Kunde", aber auch  "Götterspruch", beziehungsweise "eipon" "erzählen".  

Der von mir erfundene Begriff  "ero-episches" Gespräch in der Tradition von Homer soll  also darauf verweisen, daß Fragen und Erzählungen kunstvoll miteinander im Gespräch verwoben werden. Eben auf das kommt es beim Forschungsgespräch an.

Der Terminus ero-episches Gespräch drückt gut aus, überhaupt wenn man bei Homer nachliest, was ich mit diesem will.  Bei Homer kommen diese Wörter bzw. die entsprechenden Zeitwörter meist dann vor, wenn genaue Details aus der Vergangenheit und dem Alltagsleben erzählt oder besser : erörtert werden. Man erfährt dabei viel über Essensrituale, Sitzordnungen und schöne Mädchen, wie über die Gespielinnen der Nausikaa.

Diese Gespräche finden bei Homer meist in einer Situation statt, in der sich die Beteiligten wohlfühlen, wie zum Beispiel als Odysseus beim König Alkinoos ,  auf dessen Insel Odysseus verschlagen wurde, sich aufhält. Wein wird kredenzt und irgendwann beginnt Odysseus dem neugierigen König über seine Abenteuer zu erzählen. So erzählt er minutiös über seine Erlebnisse beim Riesen Polyphem, dem er bei seiner Flucht vom Schiff aus noch zuruft, wenn ihn jemand frage, wer ihm , dem einäugigen Polyphem, das Auge ausgestochen habe, so solle er ihm sagen, dies wäre Odysseus, der König von Ithaka und der Sohn des Laertes, gewesen. Solches und ähnliches erzählt Odysseus seinem Gastgeber König Alkinoos, der selbst auch von sich Sachen erzählt, die Odysseus wissen will. Eine andere Gesprächssituation ergibt sich, wie Odysseus als Bettler verkleidet heimkommt. Der Schweinehirt Eumaios erkennt ihn nicht, aber sein alter Hund Argos , der viele Jahre auf die Rückkehr seines Herrn gewartet hat und unbeachtet auf dem Misthaufen vor dem Königspalast in Ithaka liegt, erkennt ihn als einziger. Er hebt den Kopf und wedelt mit dem Schwanz. Odysseus ist darob so gerührt, dass er zu weinen beginnt, er verbirgt aber seine Tränen , denn er will nicht, dass Eumaios ihn erkennt. 

Um einiges über das Schicksal des Hundes und überhaupt über das Leben im Palast während seiner Abwesenheit zu erfahren, spricht Odysseus mit dem Schweinehirten in der Weise eines guten  Sozial- und Kulturwissenschafters. Er führt also ein "ero-episches Gespräch". Das Gespräch des Odysseus regt Eumaios, der seinen Herrn nicht erkennt , zum Erzählen an. In diesem Sinn verstehe ich  den  Begriff ero-episches Gespräch , nämlich als ein breites Gespräch, in dem nicht nur einer erzählt, sondern der Forscher selbst erzählend mitwirkt. 

Ein solches "ero-episches Gespräch" beginnt also grundsätzlich nicht bloß mit einer Frage, sondern meist mit einer Erzählung des Forschers über seine Arbeitsweise und seine Interessen, wobei er darauf achtet, daß in demjenigen, von dem er etwas wissen will, Interessen geweckt werden und dieser schließlich selbst zu erzählen beginnt.

Dass ich mit meinen Überlegungen zur Problematik des „narrativen Interviews“ durchaus richtig liege, sah ich in einem Aufsatz , den ich zufällig im Internet fand. Geschrieben wurde dieser von einer Frau Katrin Schlegel vom Institut für Kunstpädagogik der Universität Essen. Der Aufsatz trägt den Titel „ Narratives Interview zu Fragen des Umgangs mit Fotografie“ für ein Seminar im WS 2000/01. In ihrem Aufsatz gibt die Autorin ihr „narratives Interview“ wieder, bei dem sie durch gezielte Fragen die interviewte Person reden lässt und sich nur durch Fragen einschaltet. Sie zeigt sich jedoch nicht zufrieden mit dieser Art des Interviews und meint kritisch : “Ich hatte  die Vorstellung eines narrativen Interviews, in  dem B. einfach erzählt und mir eher eine Nebenrolle zukommt. In Zukunft würde ich eher ein Gespräch anstreben, in der die Gesprächspartner auf  gleiche Weise miteinander diskutieren.“  Die Kollegin kommt in ihrer Kritik am „narrativen Interview“ also zu demselben Ergebnis wie ich, nämlich dass ein gutes Forschungsgespräch nur geführt werden kann, wenn man vom Grundsatz der Gleichheit ausgeht und sich ein Thema gemeinsam (!) erarbeitet, wobei auch der Forscher das Seine dazu beiträgt und auch von sich Geschichten erzählt – und zwar in einer ungezwungen Atmosphäre, die auch eine „private“ sein kann.

Zumindest ich habe bei all meinen Forschungen durch solche Gespräche mit begabten und erfahrenen Leuten aus den betreffenden Kul­tu­ren in Wiener Beisln (anrüchige Gaststätten), auf Bauernhöfen Sieben­bür­gens, in noblen Kaffeehäu­sern oder in anderen Lokalitäten in oft kurzer Zeit mehr er­fahren als durch jedes an­dere Forschungsmittel. Allerdings bedarf es auch eini­gen Gespürs, die richtigen Leute zu kontaktieren, und einiger Kunst, durch ge­schicktes Fragen diesen gute Erzählungen und Geschichten zu entlocken.

Der Gesprächspartner wird dabei nicht als ein bloßer Datenlieferant gesehen, sondern eben als Partner, dem man auch etwas von sich erzählt. Besonders fruchtbar ist ein solches Gespräch, wenn dabei gegessen und getrunken wird (siehe dazu näher in meinem Buch , Girtler 2001).

Die „ero-epischen Gespräche“, wie ich sie verstehe und wie ich sie mit feinen Leuten, Ganoven, und auch mit braven Pfarrerköchinnen geführt habe, verhelfen zu spannenden Einsichten in fremde Lebenswelten . Allerdings genießen in der «wissenschaftlichen Gemeinschaft» die mit kom­plizierten Methoden arbeitenden Sozialwissenschaftler ein mitunter höheres An­sehen als die «freien Feldforscher» wie ich, die jedoch meines Erachtens die einzigen sind, die vor allem mit ero-epischen Gesprächen in die Tiefe kulturellen Handelns gelangen können.

In der Regel nehme ich die von mir geführten Gespräche zur Gänze auf Kassette auf. Es hat kaum jemand von meinen Gesprächspartnern etwas dagegen, dass seine Geschichten und Gedanken aufgenommen werden. Wichtig ist dabei, dass ich als Forscher ehrlich bin und den Eindruck hinterlasse, niemanden hineinzulegen.  Und dies tue ich auch nicht. Das Abschreiben der Kassetten ist oft sehr mühsam, da ich ziemlich genau abschreibe, was mir erzählt wird, denn im Nachhinein fallen mir beim Abschreiben erst Dinge auf, denen ich vorher noch keine besondere Bedeutung beigemessen hatte.

Diese Kunst muß geübt sein, zu ihr gehört auch,  dass man als Forscher die harte Arbeit nicht scheuen darf, beobachtete Situationen genau  zu beschreiben und die geführten Gespräche selbst (!) und nicht von der Sekretärin oder einer anderen gütigen Person) von der Kassette abzuschreiben. So ist man gezwungen, die eigenen Vorstellungen bzw. Vorurteile   und  damit auch sich selbst   ständig  zu  überprüfen.


Mein Kontakt zu Pepi Taschner

Meine ersten Kontakte in die Wiener Welt der Ganoven, Zuhälter und Dirnen gehen auf meinen in einem vorhergehenden Kapitel geschilderten Krankenhausaufenthalt zurück. Aber auch als Bierausführer in Wien-Floridsdorf und Arbeiter am Wiener Nachmarkt lernte ich einige Herren aus der Szene der Wiener „Galerie“ kennen, wie man noch in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts die klassischen Wiener Ganoven, die mit Prostitution,  diversen Betrügereien usw. zu tun hatten, nannte.

Über ihn schrieb ich das im Wiener Böhlau-Verlag 1983 erschienene Buch „Der Adler und die drei Punkte – Die gescheiterte kriminelle Karriere des Ganoven Pepi

Den Wiener Ganoven Papi Taschner lernte ich um 1982 kennen – und zwar durch einen gewissen Werner Kohlmeier, einem gescheiten Herrn, der an der Universität für Bodenkultur eine Zeit inskribiert war, aber keine Prüfungen gemacht hat und schließlich zum Stadtstreicher wurde (über ihn schrieb ich in einem vorhergehenden Kapitel. Werner Kohlmeier, der vor einigen Jahren in Wien im Winter im 7. Bezirk tot aufgefunden wurde, er war erfroren, unterhielt die Leute prächtig, er hatte einen guten Witz.  Mit ihm suchte ich regelmäßig Veranstaltungen auf, bei denen es gute Buffets gab. Werner lebte von diesen Buffets, bei denen es meist gute Brötchen und auch Bier gab. Auch ich ließ es mir bei diesen gut schmecken.  Dadurch lernten wir interessante Leute kennen.  Während meines Studiums traf ich ihn immer wieder.  Ich lud ihn einige Mal zu einem Essen ein oder gab ihm stets auch etwas Geld. Jahre später, ich hatte mein Studium schon abgeschlossen und war bereits an der Wiener Universität tätig, erzählte ich ihm, er hatte seine Lebensweise kaum geändert, von meiner Absicht, über Wiener Ganoven zu forschen. Dabei machte er mich auf den Ganoven Pepi Taschner aufmerksam, von dem er durch einen ehemaligen Drogenschmuggler gehört hatte.  Er meinte, im Vergleich zu Pepi Taschner, der damals ca 22 Vorstrafen hatte, wären alle anderen Wiener Ganoven „Waisenknaben“, denn Pepi kenne sich gut aus in der Wiener Szene der Kriminalität. Außerdem könne er gut erzählen. 

Schließlich erschien dieser frühere Schmuggler, der u.a. eine Zeit in einem spanischen Gefängnis verbracht hatte, eines Tages mit Pepi Taschner bei mir am Institut für Soziologie.  Werner Kohlmeier und sein Verbindungsmann in die Wiener Unterwelt weilen beide bereits im Himmel, ich hoffe sie sind dort und lassen es sich gut gehen. Ich bin beiden sehr dankbar.

 

Die Gespräche mit Pepi Taschner

Nachdem ich Pepi Taschner kennen gelernt hatte, verbrachte ich mit ihm viele Stunden in diversen Wiener Beisln (kleine Gasthäuser) und Kaffeehäusern. Er erzählte mir sein Leben mit seinen Kämpfen in der Unterwelt , mit seinen Gefängnisaufenthalten, seinen Abenteuern mit Damen usw.  Er meinte einmal zu mir, er habe in  seinem Leben mit ca 200 Frauen intime Kontakte gehabt (er drückte sich weniger vornehm aus). Ich fragte seine Mutter, die ich auch kennen gelernt habe, ob dies stimmen könne. Sie erwiderte, sie glaube, es seien lediglich ca 130 Damen gewesen, auf die sich Pepi näher eingelassen hätte. Ich begleitete Pepi Taschner in seine Gasthäuser, die er gerne aufsuchte, und ich lernte seine Freunde kennen, darunter den damals berühmten Alois Schmutzer, der eine Stoßpartie – ein Glückspiel mit Karten, bei dem es um viel Geld ging – leitete. Auf diese Weise lernte ich auch die Wiener Gaunersprache, über die ich noch erzählen werde, kennen. Über diese schrieb ich ein ganzes Buch.

Die Erzählungen Pepi Taschners nahm ich zum großen Teil auf Tonbändern auf.  Diese schrieb ich genau ab und machte daraus das Buch „Der Adler und die drei Punkte – die gescheiterte kriminelle Karriere des Ganoven Pepi Taschner“.  Der Adler und die drei Punkte bezogen sich beispielhaft  auf die Tätowierungen, die Pepi Taschners Körper zierten. Den Adler trug er groß am Rücken als Symbol der Macht und Stärke. Die drei Punkte waren im Winkel zwischen Zeigefinger und Daumen der linken Hand angebracht. Sie sollten anzeigen, dass Pepi jemand ist, der niemanden verrät, er also kein Wams (Gaunerwort für Verräter) ist, auf ihn ist also Verlass – unter Ganoven. Dieses Buch brachte es sogar auf die Bestsellerliste.

 

Buchpräsentation am Spittelberg

Präsentiert wurde das Buch über Pepi Taschner im Garten des Gasthauses „Witwe Bolte“ auf dem Wiener Spittelberg.

Zunächst wurde auf der Einladungskarte auf  die die anrüchige Geschichte des Lokals  hingewiesen.

Das Wirtshaus „Witwe Bolte“, das früher „Zum steinernen Löwen“ hieß,  hatte ich ausgesucht, weil eben in  diesem vor 1800 Dirnen, Zuhälter und kleine Ganoven ein lustiges Leben geführt haben, von dem die berühmten erotischen Spittelberglieder künden. Diese Lieder in einem kleinen Büchel, das ich mir um 1975 mit Genehmigung des Direktors der Wiener Universitätsbibliothek von dieser ausborgen konnte, singt auf einer CD in sehr drastisch- heiterer Weise der bekannte Wiener Sänger Stephan Paryla. Ich habe die Ehre, auf dieser CD einige historische Geschichten dazu zu erzählen.   

Dieser frühere „Steinerne Löwe“ hatte einen interessanten Gast. Es war dies Kaiser Josef II., der incognito diese verrufene Schenke gerne wegen der Sonnenfeld-Waberl, einer netten Dirne, aufgesucht haben soll.  Anscheinend hat er sich bei einem seiner Besuche schlecht aufgeführt, so dass ihn der Wirt, der den Kaiser nicht erkannt hatte, unsanft vor die Tür setzte.  Daran erinnerte ein Spruch in großen Lettern, der gleich nach dem Eingang in das Gasthaus zu lesen war:  „Durch dieses Tor im Bogen kam Kaiser Josef II. geflogen 1778“. 

So sah der Eingang des Gasthauses mit diesem Spruch noch in den 1970er Jahren aus:

Als das Gasthaus, das zuvor noch ein echtes Beisl war,  gänzlich renoviert wurde – heute ist es ein Nobellokal - , wurde der Eingang um 1975  umgebaut, der originale Spruch verschwand. Heute ist dieser Spruch in verkleinerter Form am Eingang zum Gastzimmer angebracht.

Über diese Buchpräsentation verfasste eine Dame der Austria Presseagentur einen netten Bericht. In diesem hieß es,  dass man Pepi Taschner, der mit Anzug und Krawatte erschienen war, für den Dozenten, dieser war ich damals, gehalten hat, und den Dozenten, also mich, der ich mit einem Polohemd und saloppen Sakko angetan war, für den Ganoven Pepi gehalten hat.


Dies ist der Bericht der Buchpräsentation, wie er mir von der Austria Presse Agentur per Telex übermittelt wurde:

Pepi wuchs in den Straßen und Parks in Wien auf – sein Weg in die Kriminalität

Im Buch über Pepi beschreibe ich dessen Kindheit, er war der uneheliche Sohn einer Wienerin und eines deutschen Soldaten, der damals in Wien stationiert war. , Pepi wurde 1942 geboren. Er wuchs auf der Straße und in den Parks iin Wien auf. Wegen Lausbübereien kam er in ein Erziehungsheim. In diesem erlebte er Demütigungen, aber auch die Freude an der Gewalt.  Seine Freunde kommen aus der Welt der Kriminalität. Taschner kommt in Kontakt mit Leuten, die beim Stoßspiel, dem verbotenen Glückspiel der Wiener Unterwelt,  beteiligt waren. Er wird Aufpasser beim Glückspiel und lernt die Welt des Gefängnisses kennen. Usw.  (Näheres ist aus diesem Buch zu erfahren).

 

Pepi Taschner und der Taschendieb – die Information an der Tür

Ein besonderes Abenteuer erlebte ich, als Pepi Taschner, der mich regelmäßig im Institut besuchte,  wieder einmal erschien. In seiner Begleitung befand sich ein ehemaliger Taschendieb und Zuhälter, den er vom Gefängnis her gut kannte. Dieser könne mir auch etwas vom Strich erzählen, meinte Pepi. Ich erwiderte, ich hätte im Moment keine Zeit zu einem Gespräch. Der Mann verschwand kurz mit dem Hinweis, er würde Zigaretten holen. Nach einigen Minuten kehrte er wieder zurück.  Darauf  kam ein Kollege, der zwei Zimmer weiter sein Zimmer hatte, zu mir und meinte, ihm fehlen sein Mantel und die Brieftasche. Pepi Taschner sagte sofort seinem Freund auf den Kopf zu, er wäre der Dieb, er dürfe hier am Institut für Soziologie seine Freunde nicht bestehlen. Der Mann stritt zunächst die Tat ab. Als jedoch Pepi drohte, er würde von ihm und anderen nieder geschlagen werden, wenn nicht sofort die Brieftasche wieder da ist, gab der Dieb die Brieftasche des Kollegen heraus. Es ist verständlich, dass die Aufregung am Institut über meine Art der Forschung groß war. Sogar unsere Sekretärin konnte es nicht fassen, dass ich mich mit solchen Zeitgenossen abgebe. Ich wurde angehalten, an anderen Orten als am Institut meine Gespräche mit Ganoven durchzuführen. Um meinen guten Willen zu zeigen,  hängte ich einen Zettel mit diesem Text an die Türe meines Zimmers: „Ich bitte meine Gesprächspartner als Polizist, Zuhälter, Taschendieb, Dirne usw. ihren Beruf nicht in den Räumen des Instituts auszuüben“.

 

Der Sozialarbeiter Kurt Grois machte sich Gedanken zu dem Buch

Der Sozialarbeiter Kurt Grois las das Buch und war betroffen von dem, was ich im Kontakt mit Perpi Taschner geschrieben habe. Er meinte in seiner Buchbesprechung in der Zeitschrift „Sozialarbeit in Österreich“  von 1983 : „Bei den Schilderungen Taschners, seines Lebens, seiner Bedürfnisse wurde mir zum Beispiel klar, wie weit wir manchmal mit unseren Methoden, mit unseren Vorstellungen, unsere Klienten auf braves angepasstes Mittelschichtleben zu bringen, von der tatsächlichen Realität entfernt sind. Als Sozialarbeiter stehen wir einem solchen Leben absolut hilflos gegenüber“. Der vollständige Text seiner Interessanten Besprechung sei hier wieder gegeben :


Die Buchbesprechung des großen Soziologen und Kulturanthropologen René König

Eine schöne Rezension des Buches stammt von dem sehr bekannten, leider auch schon verstorbenen, deutschen Soziologen  und Kulturanthropologen René König (* 5. Juli 1906 in Magdeburg; † 21. März 1992 in Köln. Zu seiner Biographie siehe bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_K%C3%B6nig).

Zwei Zitate von R. König gefallen mir besonders:

   „Alle sprechen sie nur über Empirie, aber keiner betreibt sie.“

   Und: „Nur wer ständig bereit ist zu lernen, vermag wahrhaft zu lehren“. 

René König war für viele so etwas wie ein Papst der Soziologie, aber auch der Kulturanthropologie. Er schrieb einige berühmte Bücher und war Herausgeber der hoch angesehenen „Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie“. Im Heft 4 dieser Zeitschrift von 1983 wird mein Buch von R. Köng derart besprochen (S 802 – S 804).

Die Rezension meines Buches durch König ehrt mich sehr.

Zu den Kernsätzen seiner Besprechung gehören wohl die:

„Roland Girtler ist nicht nur ein passionierter Bergsteiger, sondern ebenso resolut in seinem Bemühen um qualitative Sozialforschung…..Sein neuestes Buch (also das über Pepi Taschner) …, mit dem er geradezu an die Chicago-Schule der Soziologie …. anknüpft, … unterscheidet sich auch insofern von den meisten heutigen recht langweiligen soziologischen Publikationen, die bestenfalls mit einer Fülle von Fremdwörtern glänzen, dass es spannend ist.“.

Und schließlich meint Prof. König:

„Man darf abschließend sagen, dass dies Buch nicht nur wegen seines greifbaren Inhalts …  wichtig ist, sondern dass es darüber hinaus zu allgemeinen Überlegungen über Soziologie überhaupt anregt, was sicher nicht das mindeste seiner Verdienste ist“.  Besonders letztere Feststellung ehrt mich sehr.

 

Das Begräbnis Pepi Taschner und mein  Nachruf auf ihn.

Peppi Taschner starb 1990 nicht bei einem Pistolenduell und auch nicht bei einer Rauferei, sondern durch einen undichten Durchlauferhitzer in einer Wiener Gemeindewohnung, die ihm durch die Gemeinde Wien zugeteilt worden war. Er schlief in die Ewigkeit hinüber.  Das Begräbnis am Wiener Zentralfriedhof, wir wollten Pepi würdig bestattet sehen,  zahlten der Schriftsteller Peter Tourrini, den  Pepi durch Freunde von mir kennengelernt hatte.  An dem Begräbnis nahm auch Frau Heidi Unterrainer teil, sie war Bezirksrätin einer österr. Parlamentspartei, später war sich auch Nationalratsabgeordnete.  Kennengelernt hatte Pepi Taschner die Dame durch mich bei einem Heurigen in Ottakring. Anwesend bei diesem Heurigenbesuch war auch der damals bekannte Wiener Ganove Alois Schmutzer. Pepi Tschner war äußerst charmant zu der Dame, der dies zu gefallen schien. Nach einigen Glaserln Wein, meinte Pepi zu ihr: „Wenn ich einmal sterbe, müssen Sie bei meinem Begräbnis teilnehmen. Das müssen Sie mir versprechen“. Sie versprach dies. Als ich vom Tode Pepis hörte, teilte ich es Frau Heidi Unterrainer mit.  Ich freute mich, sie bei dem Begräbnis Pepi zu treffen.

Ich schrieb für Pepi in der Zeitung „Der Standard“ diesen Nachruf:

Randkulturen, Ihre Buntheit und ihre Strategien des Überlebens

(Vagabunden, Dirnen, Ganoven, Gangster und Landler)

Menschlichen Gesellschaften sind bunt, sie bestehen aus einer Vielzahl von Kulturen und speziell von Randkulturen. Überall dort, wo Menschen sich aus welchen Gründen immer zusammentun, entsteht so etwas wie eine eigene Kultur,  dies kann die Kultur von Ärzten sein, die sich gegenseitig stützen, oder die von Kindern, die sich über ihre die Lehrer ärgern, oder die ins Abseits gedrängte Menschen, die gemeinsam zu überleben suchen, oder auch die von Ganoven und anderem Volk.

Bei all diesen  Gruppen habe ich es auch mit Grenzen zu tun. Menschen in Randgruppen bzw. Randkulturen sind zu einem Handeln miteinander verbunden , das gemeiniglich vom "braven Bürger" als kriminell, lasterhaft ,liederlich schlechthin als "unanständig" oder „fremdartig“ empfunden und bezeichnet wird.

Ein solches „anderes“ Handeln reicht von den gegen die formalen Gesetze verstossenden Aktivitäten krimineller Randgruppen, wie der von Schmugglern und Wilderern, bis hin zu den Lebensformen von Stadtstreichern und  Angehörige bestimmter Religionen. 

Über einige dieser Randkulturen habe ich geforscht. Darüber ist hier zu berichten.

 

Gedanken zur Methode

Bei meinen Forschungen in Randkulturen versuchte ich, direkte Kontakte zu den betreffenden Menschen aufzunehmen.

Echte Feldforschung ist Abenteuer, auch wenn sie in der eigenen Gesellschaft bei Vagabunden, Bauern und anderen feinen Leuten durchgeführt wird. In diesem Sinn habe ich meine „10 Gebote der Feldforschung“ (siehe Anhang) verfasst, nämlich als einen Weg, um über menschliches kulturelles Leben zu forschen.

Ich meine , der echte Feldforscher – vor allem in Randgruppen - hat mehr von einem Eroberer oder einem verwegenen Bergsteiger an sich, der fremde Welten und unbekannte Höhen erobern und kennen lernen will,  als von einem umsichtigen Theoretiker, der seinen Schreibtisch nur selten verlässt. Der Feldforscher bedient sich vor allem der Königsmethoden der „teilnehmenden Beobachtung“ und des „ero-epischen Gesprächs“  - ich bin ein Gegner des Wortes  „Interview“ - , die die Feldforschung zu einem höchst spannenden Unternehmen machen (siehe dazu näher in: Girtler, Methoden der Feldforschung, UTB 2001).

Diese beide Methoden, auf die sich meine „10 Gebote“ (siehe den Anhang)  hauptsächlich beziehen,  sind strategisch nicht voneinander zu trennen . Es sind Methoden ,die nicht mit einem vorgefaßten Forschungsplan, Hypothesen und diversen "Ritualen" (wie  standardisierte Beobachtungsmethoden und Ausfüllen von Fragebögen) den Forscher binden, sondern sie stellen eine enge Beziehung zum Handeln mit all seinen Ritualen und Symbolen von Menschen her. Und gerade in Randgruppen ist es wichtig , derartige Beziehungen zu Menschen herzustellen, um wirkungsvoll forschen können.

 

Die Kultur des Gefängnisses : Demütigungen , Hierarchien und Ehre

Zu den Randkulturen des Schutzes und des Überlebens gehört auch die Kultur des Gefängnisses.

Das Gefängnis ist, wie der Soziologe Goffman festhält,  eine "totale Institution" , in dem Sinn, dass der hier lebende Mensch einer gänzlichen Kontrolle unterliegt und er in seiner Bewegungsfreiheit grundsätzlich eingeschränkt ist. Dieses System zwingt seinen Insassen eine von den bisherigen Gewohnheiten vollkommen abweichende Lebensweise auf. Für den Gefängnisinsassen existiert ein nur beschränkter Kontakt zur Außenwelt. Es spricht viel dafür, sich über solche Anstalten Gedanken zu machen, denn sie sind Treibhäuser. in denen unsere Gesellschaft versucht, den Charakter von Menschen zu ändern.

Das Gefängnis ist wesentlich dadurch bestimmt, daß der Mensch als Gefangener zwangsweise aus der bisherigen sozialen Umwelt ausgegliedert und er in ein geschlossenes soziales System  eingegliedert wird..

Obwohl die Häftlinge  vollkommen kontrolliert erscheinen,  hat sich auch im Gefängnis so etwas wie eine Kultur entwickeltt, nämlich Strategien des Überlebens. Die im Gefängnis existierende Randkultur habe ich einmal als eine Kultur des Schutzes und des Überlebens bezeichnet ( Roland Girtler, Randkulturen - Theorie der Unanständigkeit, Wien 1994), 

Bei meinen Studien über Randkulturen kam ich  häufig mit Leuten zusammen, die einige Jahre ihre Lebens im Gefängnis verbracht haben. Und über einen Wiener Ganoven schrieb ich ein ganzes Buch, dessen wesentliche Teile sich auf das Leben in Gefängnissen bezieht  und in dem die Hierarchie der Gefangen dargestellt wird.

Der Ganove, mit dem ich eine Zeit in engem Kontakt war, kam aus der Kultur der Kriminalität, das heißt, er gehörte zu jenen Männern, die beim verbotenen Glückspiel tätig waren und die vor Gewalttaten gegenüber Konkurrenten innerhalb der Szene nicht zurückschreckten.  Jene Personen jedoch , die nicht in der Kriminalität zuhause waren, konnten damit rechnen, nicht von diesen Leuten provoziert zu werden.

Ganoven dieser Art besitzen mehr oder weniger strenge Verhaltensregeln, durch die sie sich von den weniger ehrenvollen Verbrechern unterschieden. Sie besitzen einen spezifischen Ehrenkodex, der gerade im Gefängnis deutlich wird.

Mir erzählte der Ganove - Pepi Taschner hieß er, er ist leider durch einen Unfall ums Leben gekommen, - zum Beispiel, daß er einmal mit einem Kinderschänder die Zelle teilen mußte. Um diesem zu zeigen, daß er  ihn verachte, befahl er ihm zur Strafe für seine Untaten nicht im Bett sondern unter diesem zu liegen

Diese und ähnliche Geschichten interessierten mich und ich beschloß,mich näher mit dem Thema Gefängnis zu beschäftigen. Viel über den Alltag in diesen geschlossenen Anstalten erfuhr ich durch Briefe, die mir ein nicht unintelligenter Mörder, ein weiser Räuber , ein Betrüger und ein alter in Ehren ergrauter Gewohnheitseinbrecher schrieben. Aus diesen Briefen ersah ich, daß es so etwas gibt wie eine Kultur der Häftlinge, die ebenso ihre Tradition hat und die dem einzelnen, wenn er akzeptiert wird, die Möglichkeit des Schutzes anbietet.

 

Rituale der Degradierung            

Die Welt des Gefängnisses ist voll von Ritualen der  Degradierung. Der in das Gefängnis neu hinzugekommene Häftling muß eine Reihe von Degradierungsritualen über sich ergehen lassen. Durch diese wird ihm klargemacht ,daß er nun ein anderer ist, neue Pflichten hat, nicht widersprechen darf und sich gänzlich einzuordnen hat. Zu diesen Ritualen gehören der Kleiderwechsel und das sogenannte  "Zugangsbad", eine Art Taufe, durch die dem Gefangenen symbolisch seinen neuer Status demonstriert wird.

Um mit der psychischen Belastung des Gefängnisses fertig zu werden, gibt es mehrere Möglichkeiten: 

1.man zieht sich vollkommen in sich zurück, man verfällt in Stumpfsinn, 

2.der Insasse weigert sich, mit dem Personal zusammenzuarbeiten, 

3.er verhält sich diszipliniert, um vom Personal akzeptiert zu werden, oder 

4. dies ist für uns interessant, er findet sich mit den Gegebenheiten ab und baut sich eine Existenz auf, mit der er halbwegs zufrieden ist.

Die Autonomie des Menschen wird gänzlich verletzt und eine Möglichkeit des persönlichen Rückzugs gibt es nicht. Jeder ist jedems aufgezwungener Genosse. Dostojewski spricht deshalb von der "Tyrannei der Kameradschaft". Die psychische Belastung des Häftlings ist enorm. 

Ein großer Eingriff in die Intimsphäre jedes Gefangenen ist die Benützung des Klosetts, denn er ist dabei von seinen Kollegen, wenn überhaupt ,nur durch einen Vorhang getrennt. Allerdings hat sich hierin angeblich bereits einiges geändert. In den Zellen ist  also stets ein übler Geruch, da ständig, vor allem ingrößeren Gemeinschaftszellen, irgend jemand auf dem Klosett sitzt. Für den neu hinzukommenden Gefangenen bedeutet es eine Zeit,bis er sich an diese Form der Verrichtung der Notdurft gewöhnt hat.Dabei muss er sich einige Erniedrigungen von lästigen Kumpanen gefallen lassen, wie, wenn er zu lange sitzt: "Scheiss schneller!" oder ähnliche Bemerkungen. zurückziehen zu können.

Erst der langjährige und erfahrene Gefängnisinsasse gewöhnt sich an solche Degradierungen oder nimmt sie nicht mehr wahr.


Die Welt des Gefängnisses

Die Kultur und die Tradition des Gefängnisses kommt also den erfahrenen Ganoven zugute.

Zu dieser Kultur gehört auch das Rotwelsch, die Gaunersprache, die in den Gefängnissen einen fruchtbaren Boden hat und hier weitergetragen wird.

Beispielhaft seien hier auf ein paar Gaunerwörter verwiesen.

Strafanstalt Stein : Am Felsen ,oder Mutterhaus.

Strafanstalt Garsten : bei den Mostschädeln.

Korrektionszelle : Keller, Tiafling (die Zelle befindet sich in der Tiefe, im Keller), Kure, Bunker.

Ausbruchsverdächtiger : Flieger,Schimmler.

Davonlaufen, fliehen : beuli gehen,,beulisieren, die Fliege machen, einen Flug machen, in die Blüah (Blühe) gehen, die Kurven kratzen, in den Arsch gehen, ein Loch suchen, abilassen, über die Häuser hauen.

Justizbeamte. Aufseher : der Kas (Käs) ( vielleicht von:Kaiserlich Königlicher Arrestschließer) Spengler, greaner Wappler, der Greanspecht, Silberling ,Silberklas und Silberblattler (Offizier mit Silber auf dem  Kragenspiegel),Stockchef.

Hausarbeiter(Gefangener) : Fazi(von:Kalfakter, lat.calefacere ‑heizen).

Unter einem falschen Namen im Gefängnis einsitzen: er pickt auf einem linken Schoem.

Auf  kulturelle Traditionen des Gefängnislebens weisen die alten Bücher über Ganoven hin. Schöne Berichte dazu aus der Zeit der Mitte des vorigen Jahrhunderts bringt Ave Lallemant in seinem Buch "Das deutsche Gaunertum" (1858).So beschreibt Ave Lallemant etwas für Gefangene heute noch ungemein Wichtiges, nämlich den Schmuggel von für den Gefangenen begehrenswerten Gütern in die Anstalt. Er schreibt:"Wer das Treiben in den Gefängnissen beobachtet hat, der  muß gestehen, daß gerade alles,was im Gefängnis sich befindet, und was in dieses hineingerät oder aus ihm herauskommt, dem scharfen, erfinderischen Geist des Gauners zum Kasspern (Schmuggeln) dient, Das Genie des Gauners spottet aller Wachsamkeit, und feiert Triumphe, die einer besseren Sache würdig wären. Die Kassperei ist in der Tat die spezielle Gaunerei im Gefängnis, und ein ganz eigenes Feld und Studium (!) ......".

Mir erzählte ein ehrenwerten Ganoven,  dass Nachrichten zwischen Gefangenen geschickt von einem Stockwerk ins andere weitergegeben werden. Dies geschieht entweder durch Zurufe, durch Hausarbeiter und durch das sogenannte "Pendeln", bei dem ein auf einen Stein angebrachter Zettel mit der entsprechenden Nachricht von einem Zellenfenster zum anderen "gependelt" wird . Ave Lallemant bezeichnet diese Art der Nachrichtenübermittlung mit dem rotwelschen Wort "Kutsche" und schreibt :"Die Kutsche ist ein Faden,der von einem Fenster zum anderen gelassen ... auch schräg und zur Seite geführt wird. Aus dem Garn der Strümpfe, aus den Fäden der Hemden, Strohsäcke und Decken werden mit grossem Geschick leichte und starke Schnüre zusammengesetzt...Ein Stückchen Brot oder Knäuel am unteren Ende des Fadens führt den Faden senkrecht  in das untere Zellenfenster. Sehr häufig wird der Faden in pendelmässige Schwingung gebracht,dass er das seitlich unten gelegene Fenster erreicht".Das mit der Nachricht weitergegebene Stück Papier wird in der Gaunersprache für gewöhnlich als  als "Gsiberl" bezeichnet. Ave Lallemant erzählt:"Das Wort Kassiwer bedeutet jede schriftliche Mitteilung der Gefangenen unter sich und Dritten ausserhalb des Gefängnisses.....In verschiedenartiger Weise können Briefe von aussen in die Gefängnisse gelangen, und zwar durch die Gefängnisbeamten(!) selbst..... Aber auch die strengsten Beamten werden häufig getäuscht... Im Brot, in einer Kartoffel,einem Kloss, unter dem Mark eines Fleischknochens, im Maule eines gebackenen Fisches, in einer Rübe, Birne usw. kann irgendein geöltes Papierröllchen oder Kügelchen eingeschoben werden... Zwischen die Sohlen der Fussbekleidung werden besonders gern Briefe und Fluchtmittel genäht...".  Auf diesem Gebiet hat sich  bis heute in der Welt des Gefängnisses nicht viel geändert. Eine beliebte Möglichkeit, Nachrichten auf Papier oder Papiergeld in das Gefängnis einzuschmuggeln, ergibt sich bei Besuchen von Freundinnen und Ehefrauen. Durch etwas länger dauernde Abschiedsküsse vermag man zum Beispiel klein zusammengerollte Geldscheine mit der Zunge von einem Mund in den anderen zu schieben. Geld ist vielleicht das Wichtigste, das ein Gefangener im Gefängnis benötigt. Hat man genügend Geld, so kann man so ziemlich alles am Schwarzmarkt des Gefängnisses erwerben: Zigaretten, Pornohefte, Schnaps und gutes Essen .Gutes Geld machte mein Freund, der Held meines Buches "Der Adler und die drei Punkte", als Hausarbeiter mit dem Verkauf von Pornoliteratur,die er am Grunde eines Eimers, in dem er Tuch und Besen transportierte, zu den Zellen brachte.

 

Zeitvertreib: Tätowierung, Kartenspiel und Schnaps                                        

Zu den großen Problemen für den Gefangenen gehört die Frage, wie er auf beste Weise seine Zeit verbringt. Eine Fülle von Zeit fällt über ihn herein, die in bedrückt und mit der er fertig werden muß.

Eine Möglichkeit des Zeitvertreibs  besteht im Anbringen von Tätowierungen am eigenen Körper. Daher können jene Leute viel Geld verdienen, die die Zeichenkunst beherrschen.  Tusche, Tinte oder in Wasser aufgelöste rote Ziegelfarbe wird mit drei aneinander gebundenen Nadeln unter die Haut jener Gefangenen gebracht, die den Wunsch nach Tätowierungen haben. Tätowierungen (die Peckerln) haben eine lange Tradition.

Einfache Tätowierungen sind die berühmten drei Punkte am Winkel zwischen Daumen und Zeigefinger, die andeuten sollen,daß der Träger ein verschwiegener Mann ist,"der nichts sagt, nichts sieht und nichts hört". Bei der Polizei ist er ein sogenannter "Steher", aus dem beim Verhör so gut wie nichts herauszubekommen ist. Während meiner Polizeiuntersuchung war ich einmal Zeuge einer Vernehmung eines mutmaßlichen Diebes. Nach kurzer Zeit, in der von ihm nichts zu  erfahren war , brach der Polizist das Verhör ab und meinte zu mir, der Mann wäre ein "Steher"   also jemand, der über seine und anderer Schandtaten schweigt  ,  dies könne er aus den erwähnten drei tätowierten Punkten ablesen.

 

Ein wichtiger Zeitvertreib bezieht sich auf die Herstellung vom Alkohol, dem Zellenschnaps, der Pomatschka genannt wird.Hierin gibt es wahre Spezialisten. Darüber erzählte Pepi Taschner:"Daß Alkohol für uns Häftlinge verboten war, versteht sich. Auch dieses Verbot umgingen wir geschickt, indem wir uns den Pomatschka herstellten. Zu einem solchen benötigt man Obst. Vor allem Orangen,Äpfel und Bananen eignen sich gut dazu. Das Obst wird mit Hefe oder Brot in einem Plastiksack luftdicht abgeschlossen, den wir für einige Monate unter die Matratze legten. Man schlief also auf der künftigen Maische. Gärte das Obst, so konnte man zum Destillieren schreiten. Dafür brauchte man zwei größere Dosen, die wir uns in der Küche besorgten. Die eine Dose wurde mit der anderen durch einen Gummischlauch, den wir auch irgendwo auftrieben, verbunden. In die eine Dose, die wir schließlich erhitzten, kam die Maische und in der anderen bildete sich der Schnaps".

Ein solcher Schnaps verhalf der trinkfreudigen Zellengemeinschaft zu einiger Abwechslung.

Diese Beispiele demonstrieren gut den Erfindungsreichtum von Ganoven, um mit der Belastung des Gefängnisses fertig zu werden. Jedoch sind , wie oben schon erwähnt, jene im Vorteil, die aus der Kultur der Kriminalität kommen, sie können auf alten Traditionen aufbauen und haben die entsprechenden Kontakte im Gefängnis.

 

Die Ehre des Gefangenen

Zu den Versuchen von Gefangenen,ihre Identität hervorzukehren und Ansehen   also "Ehre"   zu erringen, gehört die Strategie, zugedachte "Erniedrigungen" "tapfer",also ehrenvoll, hinzunehmen. Es wird der beabsichtigten Entwürdigung derart begegnet, dass das Unausweichliche als honorige Mutprobe interpretiert wird  In der informellen Hierarchie des Gefängnisses geniessen jene Leute höchstes Ansehen, die bei ihren Delikten mit Geld zu tun hatten. Bankeinbrecher, geschickte professionelle Betrüger und andere Ganoven besitzen demnach das meiste Prestige. Gleich nach ihnen kommen die,die als Gewalttäter mit Polizisten oder mit bekannten Männern aus der Welt der Kriminalität zu tun hatten. Am unteren Ende der sozialen Hierarchie im Gefängnis , wie eingangs angedeutet, sind die Sittlichkeitsattentäter, diejenigen, die Frauen und Kinder vergewaltigt oder gar getötet haben, angesiedelt. Von ihnen distanziert sich der "noble" Ganove (siehe dazu näher:. 

Für den in der Szene der Berufskriminalität angesehenen Ganoven existiert noch eine Art Ritual des Abholens durch Kumpanen bei seiner Entlassung. Während "gewöhnliche" Strafgefangene sich bei der Entlassung eher lautlos und verschämt aus dem Gefängnis stehlen, gebärdet sich der noble Ganove mehr oder weniger lautstark und lässt sich von den ihn abholenden Kommilitonen feiern, wohl um so zu demonstrieren, dass ihm die Haft mit ihren Ritualen der Demütigung nichts anhaben konnte und er gleich einem Phönix aus der Asche zu neuem Leben unter seinesgleichen bereit ist. Gut schilderte mir Pepi Taschner seine Entlassung .

"Am Tag meiner Entlassung warteten vor dem Gefängnis drei meiner Freunde von der Stosspartie (die Herrn des verbotenen Glücksspiels)  mit einem grossen amerikanischen Auto. Das war mir bis jetzt nicht passiert, dass man mich mit einem Auto abholt. Ich wertete dies für mich als ein Zeichen einer gewissen Anerkennung in der Welt des Stossspiels. Ich war also jemand und die Stosspartie rechnete mit mir. Der Empfang durch die drei erinnert an die Behandlung von Bossen der Mafia, denen ähnliche Ehren zuteil werden. Man fuhr mich nun nach Wien, zur Stätte meiner alten Aktivitäten, wo man bereits auf mich wartete".

In diesen Zusammenhang passt auch folgende Geschichte, die ich nun erzählen will. Pepi Taschner,der mir bei meinen Recherchen in der Welt der Dirnen und Glückspieler sehr geholfen hat, besuchte mich einmal gemeinsam mit einem Taschendieb in meinem Institit . Er meinte, ich könne auch diesen über seine Zeit im Gefängnis , von wo er ihn kenne , befragen. Die beiden nahmen in meinem Zimmer Platz und wir unterhielten uns über altes Gaunertum. Nach einer Zeit stand der Begleiter meines Freundes auf und erklärte, er würde kurz weggehen, um Zigaretten in der nahegelegenen Tabak Trafik zu holen. Er erschien wenige Minuten später mit der Rauchware. Unmittelbar darauf klopfte es und ein junger Kollege, der zwei Türen weiter sein Zimmer hatte, betrat mein Zimmer und klagte, es würde ihm der Mantel und  seine Brieftasche fehlen. Sofort richtete sich der Verdacht auf den Taschendieb, den Kollegen des Pepi Taschner.

Doch dieser meinte, er sei unschuldig, man könne ihn "aussackeln", also seine Taschen ausleeren. Wir suchten nun im Gang  des Instituts. Der Mantel fand sich sofort,doch die Brieftasche mit Ausweisen und Geld blieb verschwunden. Nun beschimpfte Taschner seinen ehemaligen Gefängnismitbewohner und schrie ihn an ,  er sei der Dieb. Als dieser weiter verneinte, tat Taschner etwas,das mir unglaublich erschien für jemanden wie für ihn, den hartgesottenen Ganoven mit ungefähr 28 Vorstrafen. Er begann zu weinen und sagte: "Meine Freunde hier am Institut kannst du nicht bestehlen. Wenn du nicht gleich die Brieftasche mit dem Geld hergibst, sage ich es ein paar meiner alten Freunde und wir verprügeln dich gemeinsam". Nun ging eine Wandlung in dem Taschendieb vor sich, er reagierte auf die gewaltige Drohung und brachte uns zu der Stelle, wo er die Brieftasche versteckt hatte, nämlich raffiniert bei einem Müllcontainer.

 

Nachwirkungen

Wichtige ethische Fragen ergeben sich noch nach Beendigung der Forschung, zunächst in der Phase, während der man sich aus der untersuchten Gruppe zurückzieht. Es ist im Sinne der Ethik des freien Feldforschers , dass er die zentralen Personen, mit denen er während der Forschung gerade in sogenannten Randkulturen zu tun hatte,  nicht "wie heiße Erdäpfel" einfach fallen lässt.

Ich finde es zudem immer recht förderlich, auch für die gesamte Arbeit, wenn ich das fertige, aufgrund meiner Forschung erstellte Manuskript Leuten aus der betreffenden Lebenswelt  zeige.  Ich erfahre dabei einiges, was der Studie nützlich sein kann, ich demonstriere aber dadurch auch Respekt vor jenen Menschen, die mir freundlich ihre Welt präsentiert haben.

Als ich zwei Wiener Stadtstreichern mein über ihre Randkultur geschriebenes Manuskript zum Lesen gab, erlebte ich Erfreuliches. Der eine meinte, 95 Prozent des Geschriebenen würde der Wahrheit entsprechen. Und der andere hielt sogar fest, dass die gesamte Arbeit bis auf die Rechtschreibfehler "in Ordnung" sei. 

Auch meine Studie über ein siebenbürgisches Dorf ließ ich einen dortigen Lehrer und eine Bäuerin lesen. Beide waren hoch geehrt , brachten kleine Ergänzungen an und lobten die Arbeit. Der Lehrer zeigte sich verwundert, dass es mir trotz der kurzen Zeit gelungen sei, so ziemlich "alles" zu beschreiben.

Ein interessantes Erlebnis hatte ich nach dem Erscheinen meines Buches „Rotwelsch“. In diesem hatte ich einen Mann am Wiener Strich, der mir sehr behilflich war, mit lobenden Worten bedacht. Richard, so hieß der Mann,  war hoch erfreut. Er bat mich daher, ihn in  einem seiner Bordelle zu besuchen. Ich erschien dort. Als wir gemütlich beisammen saßen, erzählte er mir, er habe für seine Freunde goldene VIP-Karten, mit diesen bräuchten diese in den acht auf dieser Karte genannten Bordelle nur die Hälfte des Preises für Getränke usw. bezahlen. Da ich jedoch sein besonderer Freund sei , weil ich in meinem Buch gut über ihn geschrieben habe,  überreichte er mir zu meiner Überraschung die Platin-VIP-Karte mit der Bemerkung, für mich sei in diesen Lokalen alles frei, ich müsse also für das Dargebotene nichts bezahlen.  Meine VIP-Karte hat die Nummer 3, die Nummer 2 hat angeblich der Fußballtrainer der österreichischen Fußballnationalmannschaft.  Ich war über die Karte sehr geehrt. Schließlich war diese Karte für mich ein Symbol dafür, dass meine Studie über die Gaunersprache von Herrn Richard als gut und ehrlich empfunden wurde.

Ich fühlte mich in meiner Meinung bestärkt, dass der echte Feldforscher gerade in Randgruppen kein Missionar, Sozialarbeiter oder Richter ist, sondern lediglich Zeuge (siehe das 9. Gebot meiner „10 Gebote“).

 

Abschließende Gedanken                        

Es ist der Drang nach Würde, der dem menschlichen Leben und dem Handeln der Menschen wesentlich zu Grunde liegt und der gerade in Randkulturen offensichtlich wird.

Randkulturen sind seit Urzeiten  Bestandteile menschlicher Gesellschaften. Ihre Bühnen waren und sind die Landstrassen, die Städte , die Dörfer und das Felsgebirge. Fast alle haben eine lange und oft geheimnisvolle Geschichte, die von Not, Elend, Ärger, Verfolgung und Mühen kündet, die aber auch ihre Schönheiten hat und von Mut und Würde erzählt, aber auch von ihren Grenzen, ohne die diese Buntheit nicht möglich wäre.  

  

Literatur :

H. Ashbury, Gangs of New York, New York 1928

R. Girtler, Der Strich, Wien 1990 (3. Aufl.)

R. Girtler, Verbannt und vergessen, Linz 1992

R. Girtler, Wilderer – Rebellen der Berge, Wien 1998

R. Girtler, Randkulturen – Theorie der Unanständigkeit, Wien 1999

R. Girtler, Rotwelsch – die alte Sprache der Diebe, Dirnen und Vagabunden, Wien 1999

R. Girtler, Methoden der Feldforschung, Wien 2001 - UTB

R. Girtler, Echte Bauern – der Zauber einer alten Kultur, Wien 2202

R. Girtler, Die Randkultur der Hacker – Rebellen , Spione und Diebe, in: „Elektrotechnik und Informationstechnik“, Heft 7/8, August 2003

Suchtmittelbericht 2003, Jagd auf Drogenbosse, G. Brenner, Innenministerium, Wien, 2004

F.M. Trasher,  The Gang. A Study of  1313 Gangs in Chicago, Chicago 1936

W. F. Whyte,  Street Corner Society,  Chicago 1943 (1955)